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GESPANNT: Wieder hat das Team um Prof. Pasda (vorn) Knochenfragemente entdeckt(Bildautorin: Ina Renke/Thüringer Allgemeine) Vollbild

Donnerstag, 09.09.2004

Kurzes Erwachen

Unter Forschern gehört Bilzingsleben weltweit zu den bekanntesten Stätten, an denen Hinterlassenschaften des Urmenschen gefunden wurden. Jetzt erwachte die Ausgrabungsstätte wieder für einige Wochen zum Leben. Einige Kubikmeter Material sind von den Archäologen nach neuen, interessanten Spuren durchsiebt worden. Studenten gruben unter Leitung von Professor Clemens Pasda an der Steinrinne. Und es gab weitere Gespräche über das Vorhaben, das Areal für Besucher zu öffnen. Am Sonntag sollen die Tore auf jeden Fall schon mal offen stehen.

BILZINGSLEBEN. Vor fünf Wochen erwachte die Ausgrabungsstätte bei Bilzingsleben wieder einmal vorübergehend aus der Einsamkeit. Insgesamt 46 Fachstudenten aus Köln, Berlin und Basel arbeiteten sich unter Leitung von Prof. Dr. Clemens Pasda in Viertelquadraten durch den Boden. An drei Stellen nahmen sie Schicht für Schicht Material auf, durchsiebten es, tüteten Funde ein und beschrifteten sie für eine spätere Analyse.

Knochensplitter, Feuersteinspitzen und Geröll waren es vorwiegend, die die Forscher aus dem Boden klaubten. Für den Laien wenig spektakulär und auch Prof. Pasda will sich zur Bedeutung des sichergestellten Fundgutes nicht äußern. Für die Grabung spiele dies keine Rolle, erklärte er gegenüber "Thüringer Allgemeine". Ausgewertet würden die Funde erst an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Was allerdings geraume Zeit dauern wird. Allein für das in diesem Frühjahr während vier Wochen Grabungszeit geborgene Knochenmaterial benötige ein Mitarbeiter etwa ein Jahr zur Bestimmung, so Pasda. Nun, während der neuerlichen Grabung, kamen noch viel mehr Fragmente und eine Handvoll große Knochenstücke hinzu.

Eine wichtige Erkenntnis für den Wissenschaftler ist nach der jetzigen Kampagne, dass es in räumlich entfernten Bereichen dieselbe Erdschichtenfolge gebe. Ein Geologe nahm Proben in Bilzingsleben. Seit der Ausgrabungsleiter Professor Pasda wieder mal in Bilzingsleben anzutreffen war, gab es auch einige Gespräche über die Öffnung der Fundstätte für Besucher. Bilzingslebens Bürgermeister Matthias Bogk (CDU) ist optimistisch, dass dieses Ziel in absehbarer Zeit zu erreichen ist. Nachdem das Dorf in dem Landtagsabgeordneten Christian Carius (CDU) einen Mitstreiter fand, kündigte Wissenschaftsstaatssekretär Jürgen Aretz für das Jahr 2005 Denkmalfördermittel in Höhe von 100 000 Euro an (TA berichtete). Beim Flurneuordnungsamt beantragte die Gemeinde zudem Zuschüsse für den Ausbau des Schotterweges, der zur Steinrinne führt. Wenn das Geld wie mündlich schon zugesagt im Oktober bewilligt wird, könnten die Arbeiten im Frühjahr beginnen, meint Bogk. Auch mit der Zusammenarbeit mit Professor Clemens Pasda ist der Bürgermeister "sehr zufrieden". Der Wissenschaftler sei offen und gebe viele Hinweise. Erst am Montag trafen sich Pasda, Bogk und Carius an der Fundstätte, um das weitere Vorgehen zu beraten. Gestern war auch das Planungsbüro vor Ort, das ein Konzept für die touristische Erschließung erarbeiten soll. Zu dieser gehören unter anderem eine Wegeführung durch das Areal, ein Parkplatz und verschiedene Anschauungstafeln. Um Besuchern allerdings die steinzeitliche Ausgrabung zu vermitteln, "braucht es einiges an Gehirnschmalz", so Professor Pasda. Seine Ideen dazu will er in das Konzept einbringen. In ihrem jetzigen Zustand darf die Grabungsstätte am kommenden Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, schon mal von Neugierigen besichtigt werden. Zwei Studentinnen bieten den Interessierten dann von 10 bis 17 Uhr Führungen an, auch der Bürgermeister ist am 12. September anwesend. Und die "Bilschlewer Burschenschaft" sorgt für die leibliche Stärkung. Professor Clemens Pasda und das Ausgrabungsteam haben da schon längst wieder ihre Sachen zusammen gepackt. Sie verlassen die Steinrinne - bis irgendwann im nächsten Jahr.

09.09.2004    Von Ilona STARK

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